Mittwoch, 25. August 2010

Die Wurzel allen Übels

Oder, um präzise zu sein: Religion, insbesondere in ihrer institutionalisierten Manifestation (also mit 'unfehlbarem' Offenbarungsbuch und autoritärem Klerus), ist die Wurzel vielleicht nicht allen aber doch des meisten Übels - (der Titel klingt aber eleganter so, wie er ist ;-).

Ich meine, man kann nur, wenn man seinen Blick über die Welt schweifen läßt und sich gestattet bzw. dazu überhaupt imstande und nicht von durch eben jene Religionen auferlegte Denkverbote, welche allein im Übrigen die Wahrheit meines ersten Satzes bereits zweifellos bestätigten, daran gehindert ist, zu diesem Schluß kommen.
Wie keine andere Kraft vermochten und vermögen es Religionen und ihre an Jenseitsfurcht und eiserne Autorität der Kleriker gebundenen und durch gnadenlose und meist von Kindesbeinen an begonnene Indoktrination vermittelten Dogmen, die Menschen gegeneinander aufzubringen und zu unaussprechlichen, widernatürlichen und selbst im Bericht noch fast unerträglichen Grausamkeiten gegeneinander aber auch gegen die belebte Umwelt zu befähigen. Die großen Klassiker des Christentums sind ja hinlänglich bekannt. Aktuell befassen sich dessen Betreiber jedoch eher mit sexuellen und nach Kirchen- und/oder echtem Recht verbotenen und sündhaften Lustbarkeiten. Diese sind fast immer entweder homosexueller und/oder pädophiler Natur. Einige Beispiele mögen das belegen:
Wie dieser Priester (64), der 1 Mio € aus Kircheneinnahmen stahl, um sich ein Luxusleben mit jungen Callboys zu ermöglichen, aber wenigstens so umsichtig war, seiner Gemeinde sein häufiges Fehlen mit einer, sicher die Einnahmen noch vergrößernden aber doch nur erfundenen Krebserkrankung zu erklären.
Aber auch ein Kollege des wackeren Manns, Angelo Balducci, Staatsdiener des Vatikans und sogenanntes „Mitglied der päpstlichen Familien“, begehrte, der Wohltaten knackiger Burschen teilhaftig zu werden und bestellte sich Callboys (die natürlich selber junge Priester waren) für Sexorgien, manchmal mehrmals pro Tag bei einem Chorsänger, der häufiger Sex-Dates mit und für junge Priester und Anwärter organisiert.
Belegen diese beiden Fälle lediglich die tief im Christentum verwurzelte Heuchelei und die Widernatürlichkeit unterdrückter und verteufelter Sexualität, muten folgende Fälle schon wesentlich finsterer:
Die Taten von Oliver O'Grady, der "Hannibal Lecter der pädophilen katholischen Priester", der zahlreiche Kinder, Mädchen und Jungen, vergewaltigt hat und gar mit Müttern schlief, um so Zugang zu deren Kindern zu erhalten, Taten, die sogar verfilmt wurden und für die er sich bis heute in 22 Fällen vor Gericht zu verantworten hat, sind der katholischen Kirche immerhin eine nette Pension wert. Der Mann hat sich schließlich mit 65 in Irland zur Ruhe gesetzt, die Priesterkutte an den Nagel gehängt und erhält nun die nächsten 10 Jahre monatlich 788$ für sein Lebenswerk.
Ein weiterer grausiger Fall berichtet von dem Ort, an dem solche Kreaturen wie O'Grady normalerweise "endgelagert" werden: Das "Pädophilen-Paradies" liegt in Alaska und von dort wurden 345 Fälle sexueller Übergriffe gegen Kinder berichtet, begangen von 28 verschiedenen Priestern, die aus mindestens vier verschiedenen Ländern dort hingeschickt worden waren. Das belegt eine um Größenordnungen höhere Konzentration von sexuellen Straftaten durch Geistliche, als in anderen Bereichen der Welt und es hat wahrhaftig den Anschein, daß bereits mit Sexualdelikten belastete Priester gezielt nach Alaska geschickt wurden, um sie aus der Schußlinie zu bringen und an einem Ort zu lagern, wo sie möglichst wenig PR-trächtigen Schaden am Image der Kirche anrichten konnten. Welches Elend die vielen Mißbrauchstaten, der Druck, das Schweigen, das Verdrängen erzeugt haben, läßt sich in der Aussage einer indianischstämmigen Alaskanerin mitfühlen: "Ich bin 74 Jahre alt. Und ich habe 60 Jahre lang geschwiegen. Ich bin hier für alle, die nicht sprechen können - die schon tot sind, die Selbstmord begangen haben, die obdachlos oder drogenabhängig sind [...]" (Übersetzung von mir)
Diese Beispiele zeigen, was eine antisexuelle, leibesfeindliche und damit widernatürliche und misanthrope Einstellung und die daraus erwachsende (zumindest offizielle) Erwartungshaltung bewirkt: keineswegs Enthaltsamkeit nämlich, sondern nur eine in Verborgenheit (naja, mehr oder weniger) und höchster Heuchelei ausgeübte Sexualität, die nach Kirchenrecht (Homosexualität) oder echtem Recht (Kindesmißbrauch) verboten ist und, in Hinsicht auf die immer zahlreicher werdenden bekannten Fälle von Kindesmißbrauch, zum Schlimmsten und Abartigsten gehören, was sich denken läßt. Wohlgemerkt: stets begangen von "Angestellten" einer Organisation, die sich selbst immerzu als Entscheidungs- und Bewertungsinstanz bei moralischen Fragen produziert.

Neben diesen gerade aufgeführten Begebenheiten aus dem Christentum bietet aber auch der Islam zur heutigen Zeit noch immer Beispiele von mittelalterlich anmutender, geradezu atemberaubender Bösartigkeit, Degradierung, Perversion und Erniedrigungen der menschlichen Natur:
Ein somalisches Mädchen von gerade einmal 13 Jahren wurde wegen Ehebruchs von 50 Männern vor 1000 Zuschauern zu Tode gesteinigt, weil sie die Sünde begangen hatte, sich von drei Männern vergewaltigen zu lassen. Während der Steinigung wurde sie ausgegraben, um zu prüfen, ob sie nicht schon tot sei und, als das nicht der Fall war, wieder eingegraben, damit mit der steinschleudernden Ermordung fortgefahren werden konnte. Ein, der Auffassung der sogenannten "Religion des Friedens" und ihrer "Scharia" zufolge, sicher einwandfreies Vorgehen.
Im Jahr 2002 in Saudi-Arabien starben sogar 15 Mädchen (50 wurden verletzt). Sie verbrannten in ihrer Schule, in der ein Feuer ausgebrochen war, obwohl (!) sie das Gebäude rechtzeitig hätten verlassen können. Die Türen wurden jedoch von der Religionspolizei versperrt, weil die Mädchen in ihrer Hast und Panik keine Gelegenheit mehr gehabt hatten, die vorgeschriebenen Ganzkörperverhüllungen anzulegen. In einem Bericht heißt es
Drei von „Allahs Männern“ prügelten nach Augenzeugenberichten sogar auf Mädchen ein, die in Todesangst versuchten, ins Freie zu drängen. Flammen, Chaos, verzweifelte Schreie – [...] Ein paar Mädchen, die durch einen nicht bewachten Ausgang entkommen waren, zwangen die Eiferer der „Behörde zur Förderung der Tugend und Verhinderung des Lasters“ durch eine andere Tür wieder zurück in das Inferno. Sie hinderten sogar die entsetzten Feuerwehrleute zunächst am Löschen.

(Fettmarkierung durch mich)

(Daß man, 8 Jahre später, die entsprechenden Gesetze gelockert hat und heute in Saudi-Arabien sogar Frauen und Mädchen aus einem Feuer gerettet werden dürfen, mag einem, angesichts des grenzenloses Zynismus' und dieses ungeheuerlichen Verbrechens von 2002, nicht ganz so liberal und fortschrittlich imposant vorkommen, wie dem König, der sich zu dieser Gesetzesänderung, übrigens und freilich gegen den Widerstand der Religionswächter, durchgerungen hat.)

Passend dazu wird in Ägypten mit diesem Plakat bei Frauen dafür geworben, sich zu verhüllen, um sich vor Vergewaltigung zu schützen (ein Plakat das übrigens auch extrem männerfeindlich ist).

Es bedarf aber nicht ausschließlich solch fassungslos machenden Horrorszenarien, um die teilweise auch durchaus subtile Funktion der Religionen bei der Verunreinigung und Erniedrigung des menschlichen Geistes aufzuzeigen:
Der nicht für seinen Humor und souveränen Umgang mit Spott und Kritik bekannte Islam brachte zum Beispiel folgende äußerst entlarvende Reaktion auf den "Alle-zeichnen-Mohammed-Tag" hervor: einige Vertreter der "Religion des Friedens" verlangen nun, da die Welt sich mit Zeichnungen über ihren Propheten lustig gemacht habe, die Begehung eines "Alle-verleugnen-den-Holocaust-Tag". Die Begründung, die den dahinterstehenden Antisemitismus freilich kaum verhehlt, lautet, daß, wenn andere sich das Recht nähmen, ihren Propheten zu beleidigen, man ja schließlich genausogut Recht habe, den Holocaust zu leugnen. Statt also seinerseits verspottende Karikaturen von Jesus, Abraham, Richard Dawkins oder, ähm, "niemandem" (Atheismus, you know?) anzufertigen, verleugnen diese Leute eines der erschütterndsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, in der Hoffnung, daß die in deren Augen die Welt kontrollierenden Juden daraufhin alle Hebel in Bewegung setzen werden, um die Anfertigung der Mohammed-Cartoons zu stoppen. Ich habe keine Worte dafür...
Ein weiteres Beispiel für die bizarren Verrenkungen, zu denen ein religiöser Geist fähig ist, zeigte sich aber auch in der grotesken und (wie gewöhnlich) für Frauen höchst erniedrigenden Fatwa des Herrn Izzat Atiya, Leiter der "Hadith Abteilung" der ägyptischen al-Azhar-Universität, der verkündete, eine Möglichkeit, die vorgeschriebene Arbeitsplatztrennung von Männern und Frauen zu umgehen, bestehe darin, daß die Frau den betreffenden Mann fünf Mal direkt von ihrer Brust trinken lasse, da dies ein "Familienband" zwischen den beiden erzeugen würde, wonach die religiösen Gesetze es gestatten würden, daß sie fortan zu zweit und ohne Aufsicht zusammenarbeiten. Ebenfalls ohne Worte...
In einem anderen, harmlos(er) klingenden, aber außerordentlich bezeichnenden Fall christlicher Produktion bespritzten zwei Lehrerinnen an einer Schule einen bekanntermaßen atheistischen Kollegen mit Weihwasser, weil sie befürchteten, daß er den Schülern den Atheismus näher bringen wolle.

All diese teils grausamen, teils absurden Begebenheiten schreien nach Kritik und Ächtung oder Strafe, doch genau hier tritt ein weiteres Merkmal einer "Wurzel allen Übels" zu Tage: die systeminhärente Selbstgerechtigkeit, die die im Sinne ihrer Religion Handelnden vor einer kritischen Eigenwahrnehmung, ja, dem Empfinden von Schuld gänzlich feit.
Grundsätzlich skeptisch zu betrachten sind jedoch gerade Systeme, Denkschulen, Philosophien oder wie immer man es nennen will, die sich als unkritisierbar, ja jenseits aller Kritik rangierend auffassen. Diese Haltung setzt nämlich voraus, daß das jeweilige System in den Augen seiner Anhänger bereits die Vollendung erreicht hat und jeder Veränderung eine Verschlechterung, eine Entfernung von der Vollkommenheit gleichkomme. Genau das ist charakteristisch für alle Offenbarungsreligionen, die sich alle im Alleinbesitz der einzig seligmachenden Wahrheit glauben und dies, per Dogma, auch glauben müssen. Diesem Glauben opfern sie dann die bei manchem durchaus nicht schwach ausgeprägten Werkzeuge eines kritischen Verstandes und gehen sogar soweit, die Freiheit anderer, sich eben dieser zu bedienen und zu zweifeln und in Frage zu stellen, nicht nur als störend, sondern als zu vernichten ansehen. So ergibt sich eine als unfehlbar erscheinende, brandgefährliche Überlegenheitsideologie, die - innerhalb des Systems sogar folgerichtig - die Bekehrung oder aber Unterwerfung und Zerstörung Andersdenkender nicht nur gestattet, sondern fordert, fördert und belohnt. Und damit schließt sich der Kreis der Perfidie: unverletzliche Dogmen, die von Menschen aus der prähumanistischen Bronzezeit ersonnen und Gottheiten in den Mund gelegt wurden, deren Unverletzbarkeit Teil und Bedingung ihrer selbst ist, führen durch Indoktrination ab dem frühestmöglichen und höchst vulnerablen Geistesalter zu einer Perpetuierung von ganz überholten mit der heutigen Zeit und den Menschenrechten vollständig unvereinbaren Ansichten und Auffassungen, die nicht einmal kritisiert, geschweige denn geändert werden dürfen.

Man sieht das besonders deutlich beim Islam, dessen prominente Kritiker so gut wie immer mit dem Tode bedroht, verfolgt, gejagt und zu einem "untergetauchten" Leben gezwungen oder, wenn diesen Bestrebungen Erfolg beschieden ist, de facto umgebracht werden, aber auch am Christentum, dessen Lobbyisten in Ländern wie Großbritannien und Irland die Meinungsfreiheit erstickende "Blasphemie"-Gesetze verursacht haben.

Wie vollständig die geistige Unterwerfung durch Religion sein kann, sieht man am Extrem des Märtyrertums das seine zeitgenössische Ausprägung in Gestalt der Selbstmordattentäter findet. Auch hier ist die religiöse Verklärung und Sanktion desselben an Zynismus kaum zu überbieten: indem offiziell eine Glorifizierung der Märtyrer vor dem Publikum der Lebenden veranstaltet und eventuellen Aspiranten das praktischerweise nur von Märtyrern zu erfahrende, glorreich-paradiesische "Danach" mittels Dogma und autoritärer Überlieferung schmackhaft gemacht wird, wird regelrecht dafür geworben, die eigene Religion auch und gerade unter Preisgabe des eigenen Lebens (ein Akt, der ironischerweise nicht als eigentlich verbotener "Selbstmord", sondern als gerechtfertigter Akt in einem - natürlich - "heiligen" Krieg aufgefasst wird) zu verteidigen/proklamieren/verbreiten. Daß keiner der Werbenden sich jemals selbst einen Sprenggürtel umschnallen würde, fällt dabei wohl weder auf noch sonderlich ins Gewicht. Fanatische Religiosität bringt also vermöge der Bereitung eines geistigen Bodens, der Selbstmordattentäter hervorzubringen imstande ist, das Ungeheuerliche zuwege, daß oftmals junge, gesunde Menschen ihr eines, einziges Leben einem Popanz opfern, um noch viele mehr damit in den Abgrund zu reißen und vielfaches Leid und Elend zu erzeugen, daß die Mütter und Väter derselben über ihren zerfetzten Überresten ein Dank- und Freudesgebet sprechen, weil sie ihn allen Ernstes als in eine bess're Welt entrückt wähnen und daß sie in ihrer Gemeinschaft als Helden und Großtäter gefeiert, statt als Massenmörder verdammt werden.
Hinzukommt ja, daß der Hass, der Zorn und die Bitterkeit der "anderen", die durch das Selbstmordattentat betroffen wurden, indem durch die Tat unschuldige Menschen aus ihrer Mitte gerissen wurden, sich eben nicht auf den Attentäter, sondern auf die religiöse Gemeinschaft, die ihn erschuf und entsandte, richtet. Der Täter ist tot, jeder Rache und Rechenschaft entzogen, nicht jedoch sein Ursprung, auf den sich alle Vergeltung nun richten kann. So bleiben und entstehen Elend, Hass und Mord, die in einem schrecklichen autokatalytischen Kreis immer wieder selbst sich bedingen, auslösen und erhalten.

[Etwas, was übrigens ähnlich gefährlich ist, wie die Religion, ist der Patriotismus. Wenn diese beiden zusammenkommen, ist Blutvergießen nahezu unvermeidbar. Patriotismus ist der Religion auch im Wesen ähnlich: er öffnet die Tür zu unreflektiertem Autoritarismus und führt immer zu Unterdrückung. Deshalb, ganz im Gegensatz zu den Forderungen der fanatisch Religiösen, muß das Herz einer gedeihlichen Demokratie das beständige Infragestellen der Regierung und ihrer Geschäfte sein.
Mischt man aber die Dogmen der Religion ("Stelle Gott nicht in Frage!") und des Patriotismus ("Stelle 'das Vaterland' nicht in Frage") entsteht vor meinem inneren Auge sogleich ein furchteinflößendes Rezept für blinden und in seiner Selbstgerechtigkeit fühllosen Gehorsam, dessen Ausübende zu allem fähig sind. ]

Man kann jetzt vor dem Hintergrund des Überlegten, Berichteten und erst recht all des noch Unberichteten zu der Auffassung gelangen, daß es keine Dummheit, keine Grausamkeit, keine noch so schändliche, abscheuliche, erniedrigende und verbrecherische Tat gibt, die nicht durch religiöse Verblendung begangen wurde und begangen wird. Ich kann mir nicht anders helfen, als Religion als einen "Irrtum" anzusehen und es stellt sich mir daher immer wieder die Frage, woher Religion bzw. die Neigung zur Religiosität, die der Menschheit soviel Schande und Schmach und Elend verursacht hat, kommt.

Richard Dawkins vermutet, daß es in der Evolution des Menschen einen selektiven Vorteil bedeutet hat, die Weisungen von Autoritätspersonen ungefragt zu übernehmen. So überlebten beispielsweise Kinder in der Steinzeit, die die Warnung der Eltern, nachts die Höhle oder sonstige Heimstatt nicht zu verlassen, befolgten und daraufhin nicht von nächtlichen Räubern getötet wurden, eher als ungehorsame Kinder und mit ihnen die genetisch fixierte oder zumindest prädisponierte Verhaltensweise des Gehorsams. Für den Fortschritt der Menschheit, für die Entwicklung neuer, vielleicht revolutionärer Ideen war jedoch das Hinterfragen von Althergebrachtem und Tradition und damit der Zweifel an Autoritäten unerlässlich. Die Autoritätshörigkeit und Unterworfenheit unter das Überlieferte kann also nicht absolut sein und damit auch nicht die Neigung zum Religiösen, die eine genuine Manifestation genau dieser Prädispositionen darstellt. Eine Studie in der Fachzeitschrift Trends in Cognitive Sciences befasste sich genau mit dieser Frage der Herkunft der Religion: ist sie eine evolvierte Adaption, also eine "sinnvolle" Anpassung des Menschen an seine Umwelt und die steigende Notwendigkeit zur Kooperation oder ist sie nur ein sich aus der Konfiguration der menschlichen Kognitionsfähigkeit ergebendes, "mitgeschlepptes" Nebenprodukt? Die Autoren kommen zu dem Schluß, daß im Lichte der empirischen Evidenz moderner Moralpsychologie eher letzteres zutrifft. Insbesondere zeigten Individuuen, trotz unterschiedlicher religiöser Hintergründe, keinen Unterschied bei der moralischen Bewertung unvertrauter moralbezogener Szenarien. Dieser Befund weist darauf hin, daß sich Religiosität aus bereits zuvor existierenden kognitiven Funktionen entwickelt hat und dann erst Subjekt der Selektion wurde, wodurch ein adaptiv entworfenes System zur Lösung des Problems der Kooperation entstand.
Da stehen wir nun mit der deprimierenden Erkenntnis: Religiosität und damit die Religionen sind also wirklich nur ein Neben-, vielleicht ein Abfallprodukt der Evolution des menschlichen Geistes. Ein Parasit, ein Virus im Substrat von Kognition und Verstand, der einen nahezu nicht mehr gut zu machenden Schaden angerichtet hat und noch jeden Tag anrichtet.
Ich glaube, daß, wenn etwas die menschengemachte Zerstörung der Welt herbeiführen wird, es die Religion sein wird, bzw. das, was sie aus den Menschen zu allen Zeiten gemacht hat und noch immer macht.

Abschließend erlaube ich mir noch, auf ein pikantes, ironisches Moment hinzuweisen, das meiner Meinung nach darin besteht, daß, gesetzt den Fall, es gäbe wirklich einen allmächtigen, planenden, intelligenten Gott, ja auch die Religion, die sich gerade mit seiner Verkündung, Verteidigung und Anbetung befasst, von je her in dessen Plan vorgesehen gewesen sein muß. Daß ausgerechnet diese sich dann als Sollbruchstelle im Fortbestehen der Menschheit erweisen sollte, wäre schon recht amüsant...

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Nachtrag:
Hier noch ein weiteres erhebendes Beispiel für priesterliche Fürsorge: Nachdem der katholische Priester den Jugendlichen mit vorgehaltener Waffe vergewaltigt hatte, heuerte er einen Killer an, um den Jungen beseitigen zu lassen. So machen sie es in Texas...

Donnerstag, 20. Mai 2010

Selbstverschuldete Unmündigkeit? - Oder: vom Sägen am Ast, auf dem man sitzt

"Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht aus Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen."
Das hat Kant 1784 gesagt. Damals ging es um die Aufklärung. Ich habe den Eindruck, eine neue Aufklärung wäre auch heute wieder angezeigt. Es ist ein stärker werdender Trend zu zahlreichen "New Age"-, esoterischen oder "schamanistischen" Annäherungsweisen an die Wirklichkeit festzustellen und immer weniger Zweifel, Skepsis und Neigung zur Überprüfung von Behauptungen. Wie wäre sonst der enorme Erfolg von Astrologie, Wahrsagerei, Kreationismus, Impfverweigerung, Homöopathie, Akkupunktur, Chiropraktik, Bach-Blüten, Osteopathie und sonstigem Jahrmarkts-Klimbim und Kurpfuschertum zu erklären? Und wie kann es möglich sein, daß sich unser höchstes Gericht damit zu befassen hat, ob es eine Klage gegen die Inbetriebnahme einer experimentellen Apparatur der Teilchenphysik, den Large Hadron Collider, zulassen soll, weil diese den Weltuntergang hervorrufen könne oder daß allen Ernstes eine teure Expedition nach der Arche Noah sucht? Welch ein Wahnsinn ist allein der Gedanke daran, die Todesstrafe für HIV-positive Homosexuelle zu verhängen?
Ist es zu fassen, daß ein Minister in Indonesien allen Ernstes behauptet, die jüngsten Naturkatastrophen in seinem Land seien der Immoralität der Menschen zuzuschreiben, ohne sofort wegen erwiesener Unzurechnungsfähigkeit aus dem Amt entlassen zu werden?
Ein katastrophales Beispiel dafür, was passieren kann, wenn ideologische, statt kritisch-evidenzbasierte Wissenschaft politisch gefördert oder sogar verordnet wird, findet sich im russischen Pseudo-Wissenschaftler Lyssenko. Dessen Zeit ist zwar schon lange vorbei, sein Exempel aber belegt, wie verheerend die Verquickung von mangelnder Skepsis gegenüber einer politisch angeordneten Ideologie und von linientreuer, also "ideologieunterworfener" Wissenschaft, die nicht mehr nur im Dienste der Evidenz steht, sein kann: durch die Anwendung von Lyssenkos völlig unwissenschaftlichen und falschen aber mit dem Marxismus verinbaren Theorien in der praktischen Landwirtschaft, kam es zu furchtbaren Hungersnöten in Russland (und auch China, das diesen Unsinn übernahm) und die russische Genetik wurde - eine katastrophale Ausdörrung geistigen Potentials - um Jahrzehnte zurückgeworfen und hat sich bis heute nicht davon erholt.

Ob so etwas heute noch passieren könnte, darf vermutlich bezweifelt werden, dennoch wäre der Boden des allgegenwärtigen Aberglaubens hierzulande kein gänzlich ungeeigneter, um solche Früchte zu tragen. All das ist aber nur möglich, so glaube ich, undank einer profunden und, wie ich finde, fatalen allgemeinen naturwissenschaftlichen Illiteralität, die die Bevölkerung in zunehmendem Maße außerstande setzt, die Naturwissenschaft und die durch sie geformte, begrenzte, erklärte und ermöglichte moderne Welt zu verstehen. In einer Zeit, in der fast kein Bereich des täglichen Lebens unberührt von naturwissenschaftlichen Errungenschaften ist und in der fast täglich über ethische Herausforderungen durch wissenschaftliche Errungenschaften diskutiert wird, ist diese Unbildung wahrhaft eine Form der Unmündigkeit. Wie soll man sich eine Meinung bilden und dieser in Form einer Wählerstimme Ausdruck verleihen, über Atomkraft, Embryonen- und Stammzellforschung, grüne Gentechnik, den Large Hadron Collider und schwarze Löcher, Fusionsenergie, Gendiagnostik oder Dioxin-Grenzwerte im Essen urteilen, wenn das alles nur bedeutungslose Worthülsen sind? Läuft man nicht Gefahr, den Schlagzeilen-Ausscheidern der Blätter mit den großen Buchstaben nach dem Munde zu reden? Es ist natürlich einfach und dem grassierenden Denk- und Abwägungsphlegma zuträglich, ein so kompliziertes, potentialreiches und wichtiges Thema wie z.B. genetisch modifizierte Nahrungsmittel mit "Wir wollen keine Gene im Essen!" abtun zu können, aber wer sich in die Materie einarbeitet, populärwissenschaftliche und auch für Laien verständliche Aufsätze liest und tatsächlich erst einmal, vielleicht sogar kritisch darüber nachdenkt, wird sich vermutlich bald einer differenzierteren und womöglich gar begründeten Meinung erfreuen.

Eine solche, jedoch, scheint heute gar nicht unbedingt als erstrebenswert zu gelten und viele scheinen sie von sich selbst gar nicht mehr als Grundlage für gewichtige Entscheidungen zu verlangen. Das führt dazu, daß man anfällig für Suggestionen der Art wird: "Wenn Du Meinung A vertrittst, mußt Du Dich für X entscheiden!" In Kombination mit der Tatsache, daß "Meinung A" häufig genug durch Meinungsmache implantiert, statt durch selbstständiges, kritisches Denken generiert wird, ergibt sich ein bedenklich hohes Maß an Steuerbarkeit. Unwissen aus Mangel an Bildung macht also manipulierbar. Keine ganz neue Erkenntnis, schon klar. Doch haben wir es hier tatsächlich, um einmal eine paranoide Idee zu prüfen, mit politisch gewollter Unbildung zu tun? Gibt es womöglich Bemühungen, die Bevölkerung gezielt dumm zu halten? Oder sind solche Bemühungen vielleicht gar nicht mehr nötig, weil dieser Prozess sich schon längst selbst katalysiert? Gibt es also einen Trend zur gewollten Unwissenheit? Und woher kommt die für einen solchen Trend notwendige Wissenschaftsskepsis, die erst als durchaus gangbare Alternive erscheinen lassen kann, sich jeder Bemühung, sich wissenschaftliche Bildung anzueignen, zu enthalten? Wie kommt es zu einer solchen Entfremdung?

Nicht hilfreich ist hier sicher die latente Wissenschaftsfeindlichkeit in der Politik. So kommt es einem zumindest vor, angesichts dessen, was viele Regierungen durch von ihnen erlassene Gesetze tun. Das aktuell krasseste Beispiel ist die Türkei, die ein Gesetz erlassen hat, das in völliger Verkennung der wissenschaftlichen Alltagsarbeit die Erzeugung von gentetisch modifizierten Organismen verbietet und damit die komplette molekularbiologische und biomedizinische Forschung der Türkei vor das Aus führt, aber auch die Schweiz und Deustschland sind gut mit dabei. Trotz der historischen Lektion durch einen Lyssenko, läßt sich die Politik viel zu häufig zum Kettenhund der Ideologen degradieren und geriert sich dann in religiös motivierter oder lobbygewollter Fortschrittsfeindlichkeit. Erleichternd für solche Manipulierbarkeit kommt da hinzu, daß sich auch die Kenntnisse über und - so steht es zu befürchten - die Einstellung der Politiker zu den Naturwissenschaften nicht wesentlich von denen der Bevölkerung unterscheiden dürften. Es soll nicht eigennützig klingen, aber die Naturwissenschaftler sollten eigentlich die gefeierten Helden statt die mißtrauisch beäugten Freaks eines jeden aufgeklärten Landes sein. Stattdessen werden ihnen durch hirnrissige Gesetze die Hände gebunden, die grundgesetzlich eigentlich garantierte freie Forschung untersagt, Bedingungen so verschlechtert und die Mittel so verknappt, daß vernünftige Arbeit kaum noch möglich ist und so, zusammen mit dem Eindruck, in einem forschungsfeindlichen Klima ein unerwünschter Störenfried zu sein, die nicht mehr allzu unterschwellige Botschaft vermittelt: "Wir wollen Euch nicht!". Hinweis: viele Wissenschaftler reagieren darauf nicht, indem sie eingezogenen Hauptes trotzdem hierbleiben, sondern dahin gehen, wo man schon etwas weiter ist, mit der Aufklärung.

Ein weiteres Hindernis für die freiwillige Beschäftigung mit den Naturwissenschaften ist sicher das immer noch niedrigere Ansehen naturwissenschaftlicher verglichen mit der geisteswissenschaftlichen, leider "klassisch" genannten Bildung. Das geht so weit, daß ein Herr Schwanitz sich in seinem viel diskutierten und viel gekauften Kompendium "Bildung - Alles was man wissen muß" dazu versteigen konnte, durchblicken zu lassen, naturwissenschaftliche Bildung sei nicht notwendig, gar unfein und nicht "gentlemanlike", man könne und dürfe ruhig damit kokettieren, nichts über die Natur und ihre Gesetze zu wissen. Ich finde das schlimm und borniert und höchst gefährlich! Viele Menschen wissen nicht einmal die grundlegenden Dinge über die sie umgebende Welt, die ihnen doch täglich begegnen, wissen nicht, warum der Himmel blau ist und Blätter grün sind, verstehen nicht, warum sie bei einer Vollbremsung im Auto nach vorne geschleudert werden, kennen den Unterschied zwischen Bakterien und Viren nicht, haben noch nie von der PCR gehört, könnten nicht sagen, was genau elektrischer Strom, ein Gen, eine Säure, ein Gas oder ein Atom ist. Zu diesen "vielen Menschen" gehören übrigens durchaus auch Professoren für Literatur oder Kunstgeschichte, die nicht eigentlich als ungebildet gelten dürften, aber auch die meisten Politiker, die dieses Land regieren sollen. Wenn man nicht weiß, wer das Penicillin entdeckt oder die Quantentheorie erdacht hat, so gilt dies als sehr verzeihlich. Wenn man hingegen bekundete, noch nie von diesem "Goethe" oder "Hitler" oder "Caesar" oder "Jesus" gehört zu haben, fielen die Reaktionen zwischen ungläubig und mitleidig aus. Wie kann das sein? Woher kommt dieses Ungleichgewicht und kann sich ein demokratischer Staat eine Bevölkerung erlauben, die mangels Kenntnis über einen großen Teil politischer Fragen, die naturwissenschaftliche Themen betreffen und enormen Einfluss auf Leben und Entwicklung im eigenen Land haben können, nicht urteilen kann?

Es ist ja wahr, daß die Naturwissenschaften als "schwer" gelten, vielleicht gar als "unzugänglich" und heutezutage über einen so enormen Wissensschatz verfügen, daß selbst ausgebildete Naturwissenschaftler in ihrer eignen Disziplin immer nur einen relativ kleinen Bereich wirklich durchdringen können und die Universalgelehrten des Formates Leibniz, die in allen Disziplinen auch in der Tiefe bewandert waren, sind heute völlig unmöglich. Dennoch halte ich es für möglich und nötig, daß auch naturwissenschaftliche Laien sich in den Naturwissenschaften soweit bilden können, daß sie die wichtigsten und bedeutendsten Wissenschaftler, Theorien und Errungenschaften aus den großen Disziplinen kennen, ihre Bedeutung erkennen und auch ein grundlegendes Verständnis der Welt um sie herum entwickeln, das es ihnen ermöglicht, mündige, weil informierte Entscheidungen zu treffen. Es gibt durchaus Bücher, die diesen Versuch unternehmen, Interesse vorausgesetzt. Ein gewisses Interesse gibt es wohl auch und oft wurde mir gegenüber bekundet, daß "das alles" ja "so interessant" sei. Nur gibt es offenbar eine schwer zu überwindende Kluft zwischen einem diffusen, allgemeinen Interesse daran, seine Umwelt zu verstehen und dem intellektuellen Aufwand, der zu betreiben wäre, um dieses Interesse zu befriedigen.

Es dürfte ohne Zweifel feststehen, daß die Beiträge der Naturwissenschaften stetig an Bedeutung zunehmen werden, daß nur durch sie die Probleme der modernen Zeit lösbar sein, ja, der Alltag bewältigbar bleiben wird. Wenn überhaupt, so wird allein naturwissenschaftliche Forschung es ermöglichen, auf lange Sicht die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und mit sauberem Wasser zu versorgen, eine nicht-fossile, für alle ausreichende Energiequelle zu erschließen, tödliche Krankheiten, Geisseln der Menschheit, zu verstehen und zu heilen, Naturkatastrophen rechtzeitig vorauszusehen, sie vielleicht gar zu verhindern aber zumindest ihre Auswirkungen abzumildern, einen vernichtenden Klimawandel doch noch aufzuhalten, damit letztlich Kriege um Ressourcen, Elend und Barbarei zu verhindern. Nur beständige Forschung kann es vielleicht gestatten, in ferner Zukunft gar das sinkende Schiff Erde zu verlassen, um den nächsten zu zerstörenden Planeten zu bevölkern.

Ich habe keine Patentlösung, kann ja nicht einmal genau sagen, wieviele Wurzeln das Problem wirklich hat. Ich weiß nur, daß Anlaß zur Sorge besteht, wenn eine Gesellschaft durch Ignoranz und Desinteresse, die durchaus auch auf einen unzulänglich erfüllten Bildungsauftrag des Staates und eine politisch nicht verhinderte Wissenschaftsskepsis zurückzuführen sein dürften, sich selbst vom Kontakt zu Wissenschaft und Forschern abschneidet, am Ast sägt, auf dem sie sitzt.
Was könnte man tun? Sich in einem unbedeutenden Blog öffentlich Sorgen machen? Vielleicht. Sich wünschen, daß die absolute Wichtigkeit von Bildung und Wissen und Verständnis endlich erkannt und die Lust, sich damit zu befassen, durch besser gemachten aber auch besser platzierten Wissenschaftsjournalismus angefacht wird? Bestimmt. Alle Naturwissenschaftler auffordern, besser und klarer und ohne Arroganz zu kommunizieren, was sie tun, warum sie es tun und aus welchem Grund es so wichtig ist, daß sie ihre Arbeit zu Ende führen können? Ganz sicher!
Um meinen eigenen Forderungen gerecht zu werden, habe ich mir schon vor längerem verordnet, Fragen, die Nichtwissenschaftler mir stellen, sehr ernst zu nehmen und so ausführlich und geduldig und verständlich wie möglich und nötig zu beantworten. Fragen zu ermutigen, ist eine der wichtigsten Schritte in der Kommunikation unserer Arbeit. Wer fragt, hält es zumindest für möglich, eine Antwort zu bekommen, die er auch verstehen kann.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat Adornos zur Mündigkeit:

„Mündig ist der, der für sich selbst spricht, weil er für sich selbst gedacht hat und nicht bloß nachredet (...) Das erweist sich aber an der Kraft zum Widerstand gegen vorgegebene Meinungen und, in eins damit, auch gegen nun einmal vorhandene Institutionen, gegen alles bloß Gesetzte, das mit seinem Dasein sich rechtfertigt. Solcher Widerstand, als Vermögen der Unterscheidung des Erkannten und des bloß konventionell oder unter Autoritätszwang Hingenommenen, ist eins mit Kritik, deren Begriff ja vom griechischen krino, Entscheiden, herrührt.“
Er hat recht! Und das gute ist: man braucht "den Wissenschaftlern" nichts blind zu glauben - das wollen wir auch gar nicht! Jeder kann, wenn er kann (und wenn nicht, so kann er es doch lernen), die Evidenz selber interpretieren und sich dadurch eine Meinung bilden, statt blind einer "vorgegebenen" zu vertrauen - nichts anderes tun Wissenschaftler und ist Wissenschaft. Kritik und kritisch sein, ein wacher Geist, fragen, zweifeln, selber denken, entscheiden: mündig sein!

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P.S.:

Ein interessanter Beitrag zum Thema erschien unlängst in Nature: es wird argumentiert, daß vieles von dem, was über Naturwissenschaft gelernt wird, auf informellem, nicht systematischem Weg geschieht. Es heißt dort:

Their evidence strongly suggests that most of what the general public knows about science is picked up outside school, through things such as television programmes, websites, magazine articles, visits to zoos and museums — and even through hobbies such as gardening and birdwatching. This process of 'informal science education' is patchy, ad hoc and at the mercy of individual whim, all of which makes it much more difficult to measure than formal instruction. But it is also pervasive, cumulative and often much more effective at getting people excited about science — and an individual's realization that he or she can work things out unaided promotes a profoundly motivating sense of empowerment.
Meine volle Zustimmung! Bildung und vor allem die Begeisterung für die Naturwissenschaft kann auch auch abseits einer Schulbank erlangt werden und nichts ist so faszinierend, wie ganz allein, durch ausprobieren, also experimentieren etwas zu verstehen, der Natur ein kleines Geheimnis zu entreißen!

Auch Science hat sich zuletzt mit Wissenschaft und Bildung befasst:

  • Hier geht es um die Rolle der akademische Sprache der beim Erlernen und Erschließen von Wissenschaft. Es wird auf das Problem aufmerksam gemacht, daß diese schwierige Sprache eine Hürde sein kann und es wird dafür plädiert, Studenten gezielt beim Lernen dieser Sprache zu unterstützen, damit sie in die Lage versetzt werden, sich unabhängig (!) wissenschaftliches Wissen anzueignen
  • Hier geht es um den Zusammenhang von experimenteller Wissenschaft und Lese&Schreibkompetenz: beide stehen in Diensten zueinander und können sich gegenseitig befördern.
  • Hier wird die Bedeutung der Diskursfähigkeit in der Wissenschaft unterstrichen und zurecht darauf kritisiert, daß die Fähigkeit zu kollaborativem, kritischen Diskurs nicht üblicherweise Teil der wissenschaftlichen Ausbildung ist.

Übrigens: Die nicht häufig zu lobenden USA muß man hier jedoch einmal positiv erwähnen:

Moves to make research funded by the US government available to everyone could mark a turning point in a publishing revolution
Es gibt also offenbar Bestrebungen, die Ergebnisse staatlich finanzierter Wissenschaft für jedermann kostenlos einseh- und verfügbar zu machen. Das wäre eine äußerst sinnvolle und demokratische Entwicklung und würde die Botschaft senden, daß die Bevölkerung, wenn sie sich denn wirklich interessiert, in ihrem Interesse auch ernstgenommen und unterstützt wird. Schließlich hat sie die Wissenschaftler für ihre Arbeit bezahlt!

So, zuwirklichallerletzt eine (ggf. später noch zu ergänzende) Liste mit Empfehlungen für guten Wissenschaftsjournalismus:

darf gerne in den Kommentaren vervollständigt werden...

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Nachtrag 1: Folgendes las ich im Internet

LA Dodgers owners paid Russian scientist for psychic baseball boost.

Frank and Jamie McCourt employed Vladimir Spunt to beam thought waves to boost the team's chances

According to Bill Shaikin of the LA Times, the McCourts paid Vladimir Shpunt several hundred thousand dollars over five years to apply his "V energy" and help the Dodgers to victory.
(Übersetzung: "Die Eigentümer der LA Dodgers bezahlen russischen Wissenschaftler für PSI- Baseball-Unterstützung;

Frank und Jamie McCourt beauftragten Vladimir Spunt damit, Gedankenwellen zu senden, die die Chancen des Teams verbessern sollten;

Laut Bill Shaikin von den LA Times, zahlten die McCourts Vladimir Spunt mehrere Hunderttausend Dollar über einen Zeitraum von 5 Jahren, dafür, daß er seine "V-Energie" einsetzt, um den Dodgers zum Sieg zu verhelfen. )

Ist das zu fassen?!? Mir wird bei dem Gedanken ganz schlecht, wieviel Menschen man mit Hunderttausenden von Dollars retten könnte, wieviel Forschung man betreiben, wieviel Physikunterricht bezahlen, der verhindert hätte, daß Leute so aufwachsen, daß sie eines Tages allen Ernstes Hunderttausende Dollar für die "V-Energie" von Vladimir Spunt zum Fenster hinaus werfen.

Selbstverschuldete Unmündigkeit? Ohja! Q.E.D.!!!!!


Nachtrag 2: Folgendes fand ich im Internet:

Bei diesem Angebot kann man also eine "echte Wicca-Hexe" dafür bezahlen, daß sie einen "Zauber" wirkt, welcher eine Formveränderung des Gesäßes des Bezauberten bewirkt, Richtung "sexy and curvy".

Die Bewertungen lassen darauf schließen, daß dieses Angebot häufig genutzt und auch noch für gut befunden wird. Weitere Worte fehlen mir...










Montag, 22. Februar 2010

Sie fürchten die Freiheit,

die Freiheit der Rede, der Kunst und der Gedanken, wie nichts anderes. Freiheit und (monotheistische) Religion waren schon immer Antipoden.

Zuerst kommt die Freiheit der Gedanken. Sie ist die gefährlichste, denn durch sie entsteht der Zweifel, der Widerstand, sie ermöglicht es, jeden Standpunkt einzunehmen und unvoreingenommen zu prüfen, sie gestattet es, die mächtigsten Werkzeuge des menschlichen Geistes, die Vernunft und die Logik gegen Dogmata und ideologische Paradigmen einzusetzen. Sie ist aber auch die am schwersten zu bekämpfende. Wenn es aber gelingt, sie in Ketten zu legen, ist alle Gefahr gebannt. In der voraufgeklärten Zeit gelang das lange Zeit durch die systematische Konstruktion einer auf Furcht und Abhängigkeit gegründten Vorstellungswelt, in der selbst unkeusche oder ketzerische Gedanken als Sünde und die Verdammnis besiegelnd galten. Das Prinzip funktionierte so, daß der Klerus sich zum Bühnenbildner und Regisseur einer bunt mit Fabelwesen bevölkerten Jenseitswelt aufschwang, die zwar von den Lebenden nicht empirisch erfahrbar war, aber durch biblische Überlieferung und deren konkurrenzlose Interpretation durch die des Lesens Kundigen so plastisch und detailreich ausstaffiert war, daß sie und die in ihr und für sie angeblich geltenden Regularien eine völlig weltliche Größe darstellten, an der sich der reale Alltag stets mit ausrichtete. Solange eine unaufgeklärte Bevölkerug durch instrumentalisierte Jenseitsfurcht in geistige Fesseln geschlagen war, gab es also kein Problem.
Mit der Aufklärung änderte sich das jedoch, Buchdruck, bessere Bildung, Bibeln in der Landessprache und revolutionäre Philosophie befreiten den Geist und ließen Zweifel am Joch der religiösen Nutzfurcht aufkommen. Als die Kirche verstand, daß der Zweifel und damit die Freiheit in der Welt des Geistes angelangt und durch sie nicht mehr zu bannen war, änderte sie ihre Strategie und wählte als neues Feindbild die Freiheit der Meinung und der Rede. Sollten die Ketzer denken, was sie mochten, solange sie schwiegen! Die Unterdrückung von Rede- und Meinungsfreiheit ist seit jeher ein Merkmal des autoritären Totalitarismus, denn revolutionäre Gedanken schaden erst und nur dann, wenn sie außer ihrem Denker noch andere kennen.
Natürlich ist jeder Versuch, die Äußerung von Gedanken und Meinungen zu unterdrücken, ein profundes Zeugnis der Schwäche. Wenn man von der Tragfähigkeit und absoluten (weil ja angeblich offenbarten) Wahrheit und Unerschütterlichkeit der eigenen Position überzeugt ist, was ja gerade dann der Fall sein sollte, wenn man sich vorgeblich im Auftrage der höchsten Macht weiß, so kann doch eine abweichende Meinung, so kann geäußerter Zweifel und Kritik ihr nicht nur nicht schaden, sondern wird sie - im Gegenteil - stärken.
In den Führungsetagen der organisierten Religionen ist man aber offenbar selbsterkenntnisreich genug, zu wissen, daß man sich auf die Überzeugungskraft und Standhaftigkeit der eigenen Doktrinen besser nicht mehr verlassen sollte und hat es sich zur lieben Übung gemacht, immer wieder gegen das Grundrecht der Meinungs- und Kunstfreiheit anzurennen, um all den Freidenkern, Zweiflern, Satirikern und Scharfzüngigen Wort und Spott und Feder zu verbieten.
Besonders überzogen reagiert der Islam auf notwendige Kritik und verdienten Spott, da sich diese Religion in all ihren Äußerungsformen und Empfindlichkeiten, mit ihrer komplett fehlenden Fähigkeit zur Selbstreflexion und auch ihrer Entwicklung, wenn es so etwas wie Entwicklung bei Religionen überhaupt gibt und es sich nicht eher um widerwillige, zähneknirschende und erzwungene Anpassungen an den Fortschritt der Menschheit handelt, ja noch im tiefsten Mittelalter befindet, sich aber zumindest in den Industrienationen einer globalisierten und vernetzen Welt gegenübersieht, der ein geduckter, furchtsamer Respekt vor diesem bizarren Wüstenkult, nicht ohne weiteres abgenötigt werden kann.
Was mich allerdings äußerst bedenklich stimmt, ist ein Trend in letzter Zeit, der vor allem in England (zum Beispiel in Gestalt von Sharia-Gerichten!) aber auch in den Niederlanden zu beobachten ist: dort wird aus falsch verstandenem Pluralismus und Multikulti-Irrsinn als abklärerische Unterwürfigkeitsgeste gegenüber dieser mit den Menschenrechten und einer darauf beruhenden Werteortnung fundamental unvereinbaren Religion eine der wichtigsten Errungenschaften der Demokratie und Stützpfeiler einer jeden freiheitlich-demokratischen Gesellschaft in Frage gestellt: die Meinungsfreiheit.
In einem Prozess gegen den niederländischen Politiker Geert Wilders, den ich für seinen Rechtspopulismus eigentlich verabscheue, wurde ihm vorgeworfen, daß er sich islamkritisch geäußert habe. Die inkriminierten Äußerungen waren unter anderem:
Der Koran sei wie Hitlers "Mein Kampf".
Der Kern des Problems sei der "faschistische Islam".
Es gebe einen "Islamisierungs-Tsunami".
Diese Aussprüche sind zwar von kompromissloser Härte und sicher auch provozierend gemeint, doch es sind Meinungsäußerungen, die niemanden zu Gewalt oder anderen ungesetzlichen Handlungen verleiten sollen und sie sind alle durch Stellen im Koran sowie durch durch den Koran und seine fundamentalistische Auslegung motivierte Taten von Islamisten, die sich ganz klar auf ihre Religion berufen, begründet und selbstverständlich durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt. Daß einige Moslems das nicht hören wollen und sich beleidigt fühlen, darf nicht einmal theoretisch als Grund dienen, diese Meinung zu verbieten. Es steht jedem zu, eine Gegendarstellung, die Äußerung einer abweichenden Meinung oder eine Kritik an Herrn Wilders zu verfassen und es läge im Interesse eines liberalen Islamverständnisses, genau das zu tun und mit den Mitteln einer Demokratie und innerhalb der Grenzen der Verfassung zu reagieren. Wie souverän und demokratisch der Islam und seine eifrigsten Vertreter tatsächlich mit Kritik und Spott umzugehen pflegt, zeigen die jüngere Geschichte der Niederlande auf eine erschütternde Weise: Pim Fortuyn, ein linker Politaktivist wurde für seine Angriffe gegen den Islam ermordet und auch der Filmemacher und Islamkritiker Theo van Gogh, der besonders die fundamentalistischen und frauenfeindlichen Auswüchse des Islams angegriffen hatte, wurde ermordet.
Der Karikaturstreit von 2005 (das Bild zeigt die "beanstandete" Karikatur Mohammeds mit Bombenturban) zeigte ein weiteres Mal, wie unvereinbar der Islam mit demokratischen Werten ist und selbst fünf Jahre danach kann sich der Karikaturist seines Lebens nicht sicher sein. Als wie kleinlich und rachsüchtig und empfindlich und nachtragend und inferior muß man seinen eigenen angeblich so großen Gott auffassen, wenn man denkt, in dessen Willen zu handeln, wenn man einen alten Mann, der vor Jahren eine Zeichnung anfertigte, hinterrücks ermordet?!
Auf das mögliche Argument, daß dies die Taten einzelner nicht repräsentativer Irrer gewesen sind, kann man nur antworten, daß es anläßlich des Karikaturenstreits Fernsehbilder von Massenszenen in arabischen Ländern zu sehen gab, wo Puppen des Zeichners und dänische Flaggen (und nachher Flaggen eines jeden Landes, das sich mit Dänemark solidarisch erklärte) verbrannt und im Chor Todesdrohungen skandiert wurden. Und wenn innerhalb dieser Religionsgemeinschaft bei einem Großteil selbst derjenigen ihrer Angehörigen, die in den demokratischen Industrienationen leben, wirklich Einigkeit darüber bestünde, daß es sich bei den genannten und anderen einschlägigen Taten im Namen dieser Religion, eben nicht um repräsentatives islamisches Verhalten, sondern um gemeine Verbrechen handelt, dann sollte es nach jeder solchen Tat erstens eine große und weltweite Protestaktion gegen das Vorschützen religiöser Motive und gegen den Mißbrauch des islamischen Bekenntnisses als Terrorapologie sowie eine selbstkritische Innenschau geben, um zu prüfen, ob diese Religion wirklich, wie behauptet, kompatibel mit demokratischen Werten und den Menschenrechten ist. Dies aber passiert, wenn es denn passiert, meist nur verhalten und schwachbrüstig und wirkt eher wohlfeil und zugeständnismäßig als wirklich überzeugt.

Doch der Islam ist nicht alleine mit seinen, zugegeben deutlich wüsteren und brutaleren Versuchen, die Religion über die Verfassung zu stellen und ihr einen unverdienten Schutz vor Spott und Kritik zu ertrotzen:
Auch in Deutschland versuchte, zugegebenermaßen vor allem von Spott statt Erfolg gekrönt, der sprachmächtige Edmund Stoiber vor einiger Zeit, den Blasphemern Einhalt zu gebieten, als er forderte, daß "Gotteslästerung" (ein an sich interessanter Begriff, da er ja die Möglichkeit einräumt, daß ein Mensch einen (jetzt mal angenommenen und als allmächtig angesehenen) Gott überhaupt nennenswert lästern kann) stärker bestraft werden müsse. In Deutschland ist es tatsächlich bereits verboten (§166 StGB), sich über Religionen und deren Doktrinen lustig zu machen und sie zu verspotten, allerdings und glücklicherweise nur insoweit solches Betreiben geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu gefährden:
§ 166
Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Es müssen hier ja auch zwei Rechtsgüter gegeneinander abgewogen werden und das durch §166 geschützte ist wohl eher der öffentliche Friede als das religiöse Empfinden, denn im kleinen Kreis oder gegenüber Einzelpersonen läßt das Gesetz die derbsten und schärfsten Angriffe ja durchaus zu, da sie durch das Recht auf freie Meinungsäußerung zurecht geschützt wird.
In Deutschland ist der Beschnittsversuch dieses Grundrechts zum Glück fehlgeschlagen, doch in anderen europäischen Ländern haben die dort stärkere und - wie ich meine - fatale Neigung zur political correctness und vielleicht auch mächtigere Lobbies zu einer katastrophalen Entwicklung geführt. Z.B. in Irland, wo es nun wahrhaftig ein Blasphemie-Gesetz gibt, welches äußerst krass das Recht auf Meinungsfreiheit verstümmelt, indem es die "Veröffentlichung oder Äußerung von blasphemischen Inhalten" unter Strafe stellt. Ich stimme Richard Dawkins zu, daß ein solches Gesetz ein Land ins Mittelalter zurückversetzt und wie grenzenlos absurd es ist, nur sein kann, zeigt sich daran, daß folgende Äußerungen ab jetzt in Irland strafbar sind:

- Mohammed spricht im Hadith von Bukhari, Band 1 Buch 8 Hadith 427: “Möge Allah die Juden und Christen verfluchen, denn sie errichteten die Gebetsstätten bei den Gräbern ihrer Propheten"
Tja, dumm gelaufen für die Moslems. Da müßten ja jetzt eigentlich die Korane in Irland zensiert werden. (Ich frage mich gerade, ob ich wissen möchte, was passieren würde, wenn das tatsächlich angeordnet werden würde...)

- Jesus spricht zu den Juden über ihren Gott: "Ihr habt den Teufel zum Vater, und was euer Vater begehrt, wollt ihr tun! Der war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. " (Johannes 8:44, Bibel)
Wenn das mal nicht feistester, unverhohlener Anti-Semitismus ist, dann weiß ich nicht. Also: Bibel zensieren!

(eine weitere Liste nach diesem Gesetz nun blasphemischer Äußerungen, die, wenn verfolgt, diverse Bücherregale nennenswert ausdünnen dürften, findet sich hier)

Ein solches Gesetz, vor allem jedoch das Bestreben, das dazu führte, daß es überhaupt geschrieben und ratifiziert werden konnte, zeigt ein weiteres Mal, wie groß das Schutzbedürfnis und wie profund die Schwäche und im gleichen Zuge heillos die Wehrlosigkeit der Religionen ist, daß sie und ihre Vertreter nicht vor den schändlichsten Tat zurückschrecken, die freie Rede und Meinungsäußerung zu bekämpfen, die für unsere gesamte demokratische Zivilisation doch so elementar wichtig ist!
Eine grundsätzliche Frage ist hier doch: gibt es ein Recht darauf, sich nicht beleidigt zu fühlen? Kann man Menschen den Mund verbieten, um auf religiöse Empfindlichkeiten Rücksicht zu nehmen? Beides muß in einer Demokratie ganz klar mit "Nein" beantwortet werden.

Um es klar zu sagen: Ich habe keinen Respekt vor der Religion. Vor keiner. Und auch nicht vor religiösen Gefühlen. Ich werde das und mich über Religionen so oft und kritisch und scharf äußern, wie es mir beliebt. Ich mache hingegen niemandem seine Religion streitig und toleriere sie und ihre Ausübung, solange sie mit den Menschenrechten und der Verfassung vereinbar sind und ich würde jederzeit für die Verteidigung der Religionsfreiheit kämpfen. Aber noch wichtiger und heiliger und größer ist das Recht auf freie Meinung, Kunst und Rede. Ohne es ist Freiheit nicht denkbar. Ohne Religion schon.

Zum Schluß und um mich noch einmal eindeutig zu positionieren, zeige ich ein Bild von meinem neuen Lieblingsspielzeug:

Montag, 14. Dezember 2009

Steig ab, wenn Dein Pferd tot ist!

Das ist sicherlich eine sinnvolle Empfehlung, die man im übertragenen Sinne der katholischen Kirche, ganz besonders aber ihrem erzreaktionären Kläffer, Herrn Meisner, aussprechen sollte. Dieser, der gerne einmal selbst Nazi-Terminologie verwendet, um ihm mißliebige Kunst zu schelten, verglich in seiner Predigt zum 1. November den britischen Biologen Richard Dawkins, dessen Buch "Der Gotteswahn" lange hoch in den Bestsellerlisten rangierte, mit den Nationalsozialisten:
"Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als 'Verpackung der allein wichtigen Gene', deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei"
Angesichts der schwersten und in diesem Falle selbstverständlich und intellektuell unredlichen rhetorischen Keule des allfälligen Nazivergleichs, scheint es mir, daß Meisner und seine Dachorganisation längst schon ein Rückzugsgefecht kämpfen.

Abgesehen davon, daß, selbst wenn sein Vergleich zuträfe und Dawkins und die Evolutionstheorie nach welchen Maßstäben auch immer als zutiefst unmoralisch angesehen werden müßten, dies natürlich nicht ein Iota an ihrer Richtigkeit (vgl. logische Fehlschlüsse ) änderte, zeugtMeisners aggressives Schnappen von seiner profunden Ratlosigkeit, wie der angehäuften Evidenz und den daraus zwingend folgenden Argumenten zu begegnen wäre, Ratlosigkeit erzeugt Frustration, Frustration erzeugt Zorn und Zorn solche Reden.

Dawkins, auf der anderen Seite, hat vor kurzem ein neues Buch veröffentlicht, das, anders als "Der Gotteswahn" die Religionen nicht direkt angreift, sondern in dem Dawkins die mannigfache und aus den verschiedensten Disziplinen der Naturwissenschaften stammende Evidenz für das Faktum Evolution zusammenträgt und in seiner didaktisch superben, bildreichen Prosa vorstellt und so auch einem Laienpublikum begreiflich macht. Dabei wird noch einmal und schon wieder deutlich, wie großartig die einzelnen Stücke von Evidenz aufeinander aufbauen, sich ergänzen und widerspruchslos bestätigen und völlig zwanglos die Evolutionstheorie als konkurrenzloses Erklärungsmodell für die Entwicklung der lebendigen Vielfalt zementieren.
Ließen sich viele Argumente aus "Der Gotteswahn" noch philosophisch attackieren oder zumindest zum Thema einer Debatte machen, so ist die geballte Macht der Evidenz für die Evolution, die in "The Greatest Show on Earth" hochverdichtet präsentiert und kundig erklärt wird, nur noch durch widersprechende Befunde, nicht mehr durch widersprechende Meinungen, angreifbar. Solche Befunde jedoch existieren bis heute nicht. Und genau das stellt eine kolossale Bedrohung für die Kirche oder zumindest solche ihrer Vertreter dar, die den Menschen zu einer Sonderform, einer Krönung des Lebendigen verklären wollen und dieses Bestreben durch die skeptische Wissenschaft, die eben keiner Ideologie sondern nur der Evidenz, der Wahrheit verpflichtet ist, und die eine Sonderstellung des Menschen bestreitet, gefährdet sehen.

Die Wissenschaftler, darunter auch Dawkins, machen sich natürlich keines verwerflichen Aktes, sondern allerhöchstens der Konsequenz schuldig, indem sie objektiv und unvoreingenommen von religiösen Dogmata, ihre Daten interpretieren ohne bestimmte Ergebnisse a priori (weil sie nicht sein dürfen, weil sie z.B. der verkorksten Moralvorstellung irgendeiner Religion zuwiderliefen) auszuschließen und dabei zum Schluß kommen müssen, daß die Erde keine Sonderstellung im Kosmos, der Mensch keine Sonderstellung in der Biologie einnimmt, daß sich sein Verhalten, seine Intelligenz, sein Geist nur (aus dem vermeintlich profanen Grund) entwickeln konnten, weil sie zu einem früheren Zeitpunkt einmal seine Fortpflanzungschancen verbesserten und somit von der natürlichen Selektion perpetuiert wurden. Das aber bedeutet nichts mehr, als daß der Mensch, biologisch und funktionell gesehen, tatsächlich eine Art Weiterreichapparatur für seine Gene ist, so wie jedes andere Lebewesen auch. Das ist und war schon immer Urprinzip allen Lebens und dieses Prinzip auf seine reduzierteste und erfolgreichste Form gebracht ergab das Virus, einen geistlosen und mit der Vorstellung eines gutmütigen Schöpfers nicht eben zu vereinbarenden Organismus zwischen belebter und unbelebter Materie, der nichts anderes tut und dafür phänomenal optimiert ist, als unter Inkaufnahme der Schwächung und Vernichtung eines Wirtsorganismus, gleich ob Mensch oder Insekt oder Wurm, seine Gene zu kopieren und zu verbreiten.

Und hier liegt nun das Problem: daß für eine religiös-dogmatische Lebensauffassung, wie sie in den autoritären, überlegenheitsideologischen monotheistischen Religionen notwendig ist, um die "Integrität" des ganzen Systems und den Status Quo zu erhalten, die Sonderstellung des Menschen als von einer Gottheit beabsichtigte, gewünschte und legitimierte Kreatur, eine axiomatische Voraussetzung ist. Diese Voraussetzung ist, den Befunden der Naturwissenschaft zufolge, jedoch nicht gegeben. So einfach und fundamental ist das. Meisners larmoyantes Gekreische richtet sich mithin auch nur oberflächlich gegen die Wissenschaftler, die ja nur verkünden, was die Daten aussagen, sondern es ist vielmehr ein gänzlich zweckloses, trotziges Anquaken gegen die Realität, ein Aufheulen der gequälten Kreatur, so, als wollte man durch bloßes Lamento die Flut zurückdrängen, die einem längst die Beine umspült.

Natürlich ist ein unperfekter, unbesonderer, ungewollter Mensch, der enden wird im gemeinen Staub aus dem er entsprungen, unbeweint, ungeehrt und unbesungen, und welcher zufällig auch in der Lage ist, darüber nachzudenken, ob er eine Besonderheit darstellt bzw. festzustellen, wie unbedeutend er ist, ein krasser, unerhörter Widerspruch zum biblischen (oder thoraischen oder koranischen) Märchen von einer Gottheit Ebenbild, doch sich, nur dieses arme, alte, müde Buch in Händen, gegen die Erkenntnis zu sperren, hat etwas vom Kind, daß sich die Augen zu hält und glaubt, unsichtbar zu sein.

Wir werden hier also Zeugen eines Abgesangs, der keiner sein will, gesungen von einem sich kämpferisch gebenden alten Mann, der weiß, daß er schon lange verloren hat, daß er allen Durchhalteparolen zum Trotz, auf verlorenem Posten streitet, der, sollte er je selber daran geglaubt haben, kraft seines eigenen Intellektes immer unnachgiebiger gezwungen wird, einzusehen, daß seine liebgewonnene, ihn aber zumindest ernährende Mythologie der Last der Realität schon lange nicht mehr standhält, der durch die Entthronisierung des Menschen und Infragestellung der Notwendigkeit einer Himmelsmacht zutiefst beleidigt, verletzt und in seiner Eitelkeit gekränkt ist. Verletzte Tiere setzen sich erfahrungsgemäß immer am rabiatesten und verzweifeltsten zur Wehr, mobilisieren im letzten Aufbäumen alle Reserven, ohne Rücksicht auf Verluste, Nazi-Vergleiche und intellektuelle Non-Sequiturs inbegriffen.

Es betrübt mich, daß religiöses Denken einen Geist so in Fesseln schlagen und die Auffassung von Freiheit derartig verzerren und entstellen kann, daß allein die Vorstellung eines wahrhaft freien Menschen, der seine Verantwortlichkeit gegenüber sich selbst und der Erde, die er mit allem Leben teilt und die nachhaltig zu zerstören von allen Lebewesen aber nur er gemeistert hat, eine Verantwortlichkeit also, die so viel mehr als ein "sich Untertan machen" sein sollte, nur in sich selber sucht und der für moralisches Empfinden und Handeln durch empathisches Einfühlen keines Götzen, keines Buches und keiner Drohung durch selbternannte Interpretatoren bedarf, ein so großes Schrecknis ist. Und auf eine ironische und ein wenig traurige Weise amüsiert es mich gleichermaßen, daß ausgerechnet die katholische Kirche die Chuzpe besitzt, sich noch immer, nach allem, was gewesen ist, als moralische Anstalt und Leiterin des Homo sapiens in welche Zukunft diesem auch immer beschieden sein wird, anzupreisen.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Ab wann ist es ein Mensch?

An dieser Frage entzünden sich die meisten Konflikte zum Thema Abtreibung. In den meisten Fällen sind die Gegner der Abtreibung und des Rechtes darauf, religiös motiviert. Die jeweiligen Religionsoberhäupter haben entschieden, daß Abtreibung etwas schlechtes sei, weil es sich dabei um die Tötung eines Menschen handle, einer vollwertigen Person, die bereits Anspruch auf alle Menschenrechte habe. In extremen Fällen wird auch schwerste psychische Belastung (z.B. nach Vergewaltigung) und sogar der Tod der Mutter billigend in Kauf genommen, wenn dies der Preis für die Unterlassung einer Abtreibung ist. Was das über die Haltung der Religionen zum Wert und zu den Rechten der Frauen verrät und welche Geisteshaltung man besitzen muß, um tatsächlich Leben gegeneinander aufzuwiegen und den Tod einer gesunden, lebenden Frau nicht nur hinzunehmen, sondern, nachdem sie ihre Schuldigkeit als Gebärorganismus getan hat, zu verlangen, indem man darauf besteht, das geschehen zu lassen, was ihn unweigerlich herbeiführen würde, will ich hier jetzt gar nicht diskutieren.

Ich frage mich aber, auf Grundlage wessen die Religionen behaupten und so vehement vertreten, daß das vollwertige, mit allen Rechten, die bereits geborene Personen genießen, ausgestattete Leben ausgerechnet im Moment der Befruchtung beginnt. Es gibt keine Bibelstelle, die das nahelegt, da das Konzept der Zygote zum Zeitpunkt der Niederlegung dieses "Werks" wohl noch nicht bekannt gewesen sein dürfte. Soweit ich weiß, operieren die Religionen an dieser Stelle mit dem Terminus "Seele" oder "Beseelung" und behaupten einfach, die "Beseelung" der Zygote geschehe im Moment der Befruchtung und danach sei ja eine Seele und damit ein Mensch vorhanden. Das Problem ist natürlich das der Nachweisbarkeit. Die Seele ist ein abstraktes Konzept ohne jede meßbare physikalische Eigenschaft und die Nachweispflicht liegt bei den Urhebern der Behauptung.
Was aber diese Leute verlangen, wie gesagt, aufgrund einer selbst für sich in Anspruch genommenen Autorität als "gesetzliche Vertreter" ihrer jeweils angenommenen Gottheit, ist, daß auf Grundlage ihrer evidenzlos erlangten und für allgültig erklärten Bewertung, daß die Befruchtung der Augenblick der Beseelung, und damit der Menschwerdung sei, lebendigen Frauen das Recht abgesprochen wird, über ihren Körper und ihr Wohlergehen zu verfügen.
Übrigens und natürlich unabhängig davon, was die betroffene Frau glaubt. Das aber entmündigt Frauen und setzt sie in dieser Hinsicht auf die Stufe von Nutzvieh, indem über ihre Körper verfügt und sie zur vollständigen Austragung, gleich auf welche Weise die Schwangerschaft zustande kam, gezwungen werden sollen. Es ist unrecht, es ist falsch, es ist schändlich.

Ein für mich sehr viel besser handhabbares Konzept des Menschen ist das des Bewußtseins. Einen Menschen macht in meinen Augen sein Bewußtsein, seine Entwicklung, seine Persönlichkeit, sein Wesen und sein Charakter aus. Ein Mensch, der eine Gliedmaße verliert, ist also nicht weniger menschlich. Ein Mensch, dessen Persönlichkeit und Geist erlischt, wie z.B. bei Morbus Alzheimer, ist viel schwieriger zu betrachten, wenn man und selbst engste Angehörige ihn nicht wiedererkennen können, weil alles, außer der leiblichen Hülle, was ihnen an ihm vertraut, liebenswert, charakteristisch und individuell erschienen war, verschwunden ist. Das ist ein Grund, warum viele Menschen bei der Diagnose Alzheimer an Selbstmord denken - sie wissen, daß die Krankheit sie körperlich kaum beeinträchtigen, sie aber dennoch komplett auslöschen wird. Das Gesetzbuch trägt dem insofern Rechnung, als fortgeschritten dementen Menschen ein Großteil ihrer Rechte abgesprochen wird: sie werden entmündigt.
Wenn man diese Auffassung von Menschlichkeit auf das intrauterine Leben anwendet, würden ethische Bedenken gegen eine Abtreibung erst dann sinnvoll sein, wenn sich ein Bewußtsein entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt ist extrem schwer festzustellen und auf ein morphologisches Korrelat zu beziehen, ich meine aber, es ist immer erstrebenswert und gemäß einem empathischen Einvernehmen mit allem Leben, einen Zeitpunkt zu wählen, zu dem der Embryo bzw. Fötus (nach der 9. SW) noch keinen Schmerz empfinden kann. Schmerzwahrnehmung erfordert Rezeptoren, die Schmerzreize z.B. durch Verletzungen in Nervenimpulse umwandeln, leitfähige Nervenbahnen und ein Hirn oder eine Vorform davon, die die angelieferten Nervenimpulse verarbeiten und in eine unangenehme oder peinigende Empfindung translatieren kann. Aber wann ist es soweit? Ab der 8. Woche nach der Befruchtung können durch Reizung motorische Reflexbewegungen beim Noch-Embryo ausgelöst werden. Bewusste Reaktionen oder Wahrnehmungen des Fötus (z.B. Schmerzempfindungen) sind aber nicht vor der 22. Woche möglich, da die Hirnrinde des Fötus' noch nicht funktionsfähig ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sind auch noch keine regelmässigen Hirnströme festzustellen. Das 3-monatige Zeitfenster, in dem Abtreibungen bei uns auch ohne zwingende medizinische Indikation möglich sind, ist also mehr als vorsichtig gewählt, gewährleistet sehr sicher, daß eine Abtreibung beim Fötus keinerlei Schmerz oder Leid hervorruft und braucht und sollte keinesfalls verkleinert werden. Diese Auffassung beruht, wie immer, auf evidenzgestützter wissenschaftlicher Forschung (kursiv markiert unter "Referenzen" ist ein Übersichtsartikel der eine Auswertung multidisziplinärer Evidenz enthält und zum oben beschriebenen Schluß kommt) und nicht dem mit klerikal-anmaßender Basta!-Rhetorik ausgestatteten, höchst zynischen und ideologischen "Pro Life"-Dogmatismus.
Randnotiz: Besonders ironisch und für die ideologische und eben nicht faktenorientierte Einstellung typisch finde ich, daß die allermeisten "Pro Life"-Anhänger aktive Befürworter der Todesstrafe sind. Die gesamte "Pro Life"-Argumentation erhält dadurch eine zutiefst fragwürdige Schuld/Unschuld-Färbung und offenbart eine zynische Willkür und Subjektivität, deren Galleonsfigur passenderweise G.W. Bush war.

Meine Meinung und mein ethisches Empfinden ist: Niemand hat das Recht, anderen Menschen vermeidbares Leid zuzumuten: Eine Frau darf demnach nicht gezwungen, auch nicht genötigt werden, eine unerwünschte Geburt körperlich und ggf. das Dasein gegen ihren Willen mit einem behinderten Kind psychisch zu erleiden, einem Kind darf nicht, weil seine Geburt trotz besseren Wissens erzwungen wurde, die Qual zugemutet werden, an einer schrecklichen und grausam schmerzhaften Erbkrankheit, deren sicher tödlicher Verlauf unvermeidbar ist, wie z.B. Morbus Krabbe, zu leiden, wenn man ihm dies ersparen kann.
Die Zubilligung von mündigen Entscheidungen über den eigenen Körper und einem Leben ohne vermeidbares Leid ist aber ein für viele Religionen existenzbedrohendes Konzept und deshalb werden wohl Frauen, solange es diese Religionen gibt und je nachdem, wo sie das Pech haben, zu leben, gegen ihren Willen und gegen jede Notwendigkeit zu leiden, zu gebären und zu sterben haben...


Referenzen:
- Derbyshire SWG "Fetal pain - a look at the evidence". American Pain Society Bulletin, 13:1-12, 2003
- Derbyshire SWG."Can fetuses feel pain?". Brit.Med.Journal, 332:909-912, 2006
- Fitzgerald M. "Foetal pain: an update of current scientific knowledge. A paper for the Department of Health". London, Mai 1995
- Gardner C. "Is an Embryo a Person?". The Nation 249:557-559, 1989
- Grobstein C. "Science and the Unborn: Choosing Human Futures". New York: Basic, 1988
- Hall E. "When Does Life Begin? An Embryologist Looks at the Abortion Debate". Psychology Today 23:42-46, 1989
- Lee S.J. et al. "Fetal Pain - A Systematic Mulidisciplinary Review of the Evidence". JAMA 294:947-954, 2005
- Lloyd-Thomas AR., Fitzgerald M. "Reflex responses do not necessarily signify pain". British Medical Journal 313:797-798, 1996
- Sass H.-M. "Wann beginnt das Leben?" Die Zeit, 30.11.90, S. 1044

Freitag, 9. Oktober 2009

Eine Impfung gegen Ignoranz

wäre sicher eine sinnvolle Sache und würde, indirekt zwar, genau wie andere Impfungen Leben retten. Schon seit Jahren macht sich eine besorgniserrgende Tendenz zur Impfverweigerung bemerkbar: Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr gegen die klassischen Kinderkrankheiten impfen, was mittlerweile bereits dazu geführt hat, daß jetzt, im Jahr 2009, wieder Kinder an den seltenen und völlig vermeidbaren Komplikationen von z.B. Masern sterben müssen.
Dabei ist die Erfindung der Impfung, also der aktiven Immunisierung gegen erregerbedingte Krankheiten, eine der größten Errungenschaften der modernen, evidenzbasierten Medizin und dürfte ungezählte Millionen Menschenleben gerettet haben. Nur durch eine weltweite und energisch betriebene Impfkampagne gelang es z.B., eine wirkliche Geissel der Menschheit, die Pocken, vollständig auszurotten, einer der wichtigsten und beeindruckendsten Erfolge der Medizingeschichte. Und es ist auch nur den flächendeckenden Kinderimpfungen zu verdanken, daß Krankheiten wie Kinderlähmung, Diphterie und Mumps so gut wie kaum noch auftreten und tödliche Verläufe höchst selten geworden sind.
Was also treibt moderne Menschen, Mütter von Kindern im Jahr 2009 dazu, nun wieder auf Impfungen zu verzichten und sie bewußt ihren Kindern vorzuenthalten, ja, noch bizarrer, sog."exposure parties" oder "pox parties" zu veranstalten, auf denen infizierte Kinder andere, gesunde Kinder anstecken sollen, damit diese endlich die Gelegenheit erhalten, krank zu werden und "auf natürliche Weise" die Krankheit zu durchleben und Immunität zu entwickeln?!?
Ich kann es mir nur so erklären: Zuerst spielt sicherlich die bestürzende allgemeine wissenschaftliche Illiteralität eine Rolle, die viele Menschen außerstande setzt, zu verstehen, was eine Impfung überhaupt ist, wie sie wirkt und warum es auch epidemiologisch so wichtig ist, an Impfungen teilzunehmen. Zudem entmündigt sie die Menschen insofern, als sie nicht mehr in der Lage sind, Informationen souverän gegeneinander abzuwägen und auf Wissenschaftlichkeit zu prüfen und so den medizinischen Ratschlägen in Regenbogenpresse, Bäckerblume, Bild und Express genausoviel Wert, Berechtigung und Richtigkeit zumessen, wie denen von Ärzten oder Wissenschaftlern. Diese wissenschaftliche Unbildung verundankt sich meiner Meinung nach zum einen einem unzureichenden Wissenschaftsjournalismus, der in Deutschland zu oberflächlich, desinteressiert, schlecht ausgestattet und tendenziös betrieben wird, an dem aber auch die häufig nicht gut ausgebildete Fähigkeit der Wissenschaftler, ihre Ergebnisse auf allgemeinverständliche und anschauliche Weise zu kommunizieren, zweifellos ihren Anteil hat, und zum anderern einer immer stärker sich verflachenden Kultur des Intellekts, im Dunstkreise von deren Daheinscheiden es salonfähig geworden ist, Anti-Intellektualität, mutwillige Ignoranz und Unwissenheit sowie Indifferenz gegenüber einer auf Evidenz beruhenden Faktenlage, als normal und cool zu empfinden und gar zur Tugend zu verklären. Dieses Desinteresse reduziert natürlich auch die Nachfrage nach wissenschaftlicher Berichterstattung, deren mangelnde Qualität - circulus vitiosus - wiederum kein neues Interesse anzufachen vermag und die Marktregulation vermöge der Einschaltquoten tut dann für die Programmgestaltung ihr übriges. Hinzu kommt, jedenfalls meine ich, das beobachten zu können, eine stetig abnehmende allgemeine Fähigkeit und Bereitschaft zu kritischem Denken und Skeptizismus wofür in gleichem Maße die Neigung zu magischem Denken und die Vulnerabilität für esoterische Phänomenologie zuzunehmen scheint.
Die aktuell sich verschlechternde Impfmoral wäre damit nur ein Symptom dieses komplexen und äußerst bedenklichen Grundproblems und in der Tat finden sich in der heutigen (Populär-)Kultur zahlreiche andere Beispiele von einerseits Gut- und Wundergläubigkeit und andererseits esoterisch motivierter Wissenschaftsskepsis, die auf den oben beschriebenen Komplex von Wechselwirkungen zurückzuführen sind. Man führe sich als Beispiele hierfür den großen Zuspruch der Astrologie, Wahrsagerei, Homöopathie und diverser anderer mystischer New-Age-Folklore vor Augen.

Diese Problematik hat letzthin den Boden bereitet für eine paranoiden und völlig absurden Entwicklung: der offizielle Grund, aus dem nun viele Menschen ihren Kindern Impfungen, insbesondere die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln, vorenthalten, lautet tatsächlich, daß sie befürchten, diese Impfungen riefen Autismus hervor. Der Auslöser hierfür war eine 1998 zwar in der renommierten Zeitschrift "The Lancet" veröffentlichte aber bereits 2004 von den Mitautoren zurückgezogene Studie, die vorgab diesen Zusammenhang an 12 Kindern aufgezeigt zu haben. (Die Arbeit war zurückgezogen worden, nachdem bekannt geworden war, daß der Hauptautor, Andrew Wakefield, die Daten gefälscht und dafür Geld von Anwälten, die Eltern von von Autismus betroffenen Kinder vertraten, erhalten hatte.) Es gibt demnach absolut keinerlei wissenschaftliche Evidenz für einen Zusammenhang zwischen Impfstoffen und der Enstehung von Autismus, im Gegenteil, es wurde das Nicht-Bestehen eines Zusammenhangs in zahlreichen unabhängigen Arbeiten immer wieder gezeigt. Dennoch ermöglicht es die allgemeine wissenschaftsskeptische und sensationslüserne Unkultur, vor dem Hintergrund der oben geschilderten Grundproblematik, daß sich solcher Unfug wie eine Infektion, gegen die es leider keinen Impfstoff außer Bildung gibt, verbreitet, trotz ihrer hundertfachen, eindeutigen Widerlegung hartnäckig persistiert und mittlerweile dazu geführt hat, eine neue und aus rationaler Sicht vollständig absurde und noch dazu gefährliche und leider ja bereits mit ersten Todesopfern "prämierte" Impfskepsis hervorzurufen, die den Kampf gegen beispielsweise die Masern und den Versuch, auch diese Krankheit, die in seltenen, nun aber schon wieder häufiger beobachteten Fällen lebensbedrohende Komplikationen (Roald Dahl schildert, wie seine Tochter daran starb) entwickeln kann, zu eradizieren, weit zurückwerfen.

Ich finde es irgendwie ironisch, daß die ebenfalls verpönte und mißtrauisch beäugte Aneignung und Ausübung einer wissenschaftlichen und evidenzbasierten Weltsicht gewissermaßen genau die "Impfung" darstellt, die die Menschen immun gegen all diesen Humbug machen und ihnen all den Schaden und das Leid, das ihnen geschieht, wenn sie sich darauf einlassen, ersparen würde. Ich schließe daher ein wenig resigniert mit einem Zitat Roald Dahls, der seine Tochter an eine Krankheit verlor, die heute vielleicht schon ausgerottet sein könnte, wenn wir nicht in einer Zeit leben würden, in der sich schon wieder erste Anzeichen der Abklärung, des "Wiedereingangs in die selbstverschuldete Unmündigkeit" schmerzhaft bemerkbar machen:
"It really is almost a crime to allow your child to go unimmunised"
(Deutsch: "Es ist wirklich fast ein Verbrechen, zu dulden, daß das eigene Kind nicht geimpft ist.")

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Trauriger Nachtrag: 7o Kinder in Zimbabwe sind vollkommen sinnlos und vermeidbar an den Masern gestorben. Bezeichnenderweise stammten die Kinder aus apostolischen Sekten, die Imfpungen aus Glaubensgründen ablehnen! Wie viele müssen noch sterben, bis endlich etwas unternommen wird? Religion fördert und schätzt Ignoranz und Ignoranz tötet.

Nicht überraschender Nachtrag: Wie sich nun herausgestellt hat,  war die Studie von Andrew Wakefield nicht nur minderwertig und handwerklich schlecht, sondern glatter Betrug! Wer noch immer diese Studie heranzieht, um Impfskepsis zu begründen, sollte bestraft werden!

Dienstag, 16. Juni 2009

Brief an meine Tochter

Liebe Leonora,

leider gibt es Dich noch gar nicht, aber wenn es Dich schon geben würde, würdest Du vielleicht so heißen, nach einer Figur aus den Gedichten von Edgar Allan Poe.
Ich möchte Dir aber doch schon heute einen Brief schreiben, um Dir zu erzählen, was ich über Frauen weiß und was vielleicht auf Dich zukommt, weil Du eine Frau werden wirst.
Ich kann Dir leider nicht versprechen, daß man Dich gleich gut behandeln wird, wie einen Mann, es könnte sein, daß Du weniger verdienen wirst für die gleiche Arbeit, daß Dir Chancen nicht gegeben werden, nur, weil Du eine Frau bist. Es ist traurig, aber es ist wahr. Das Gesetz gewährt uns zwar allen gleiche Rechte und Chancen und mißt allen Menschen den gleichen Wert zu, aber wie so oft sind Gesetze ideal und Menschen, die sie nicht achten, unideal aber real. Es muß ja wohl an der Unterschieden zwischen Männern und Frauen liegen, daß die einen benachteiligt werden, oder? Ich habe oft über diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern nachgedacht und nicht nur ich allein, denn aus diesen, offenbar auf die unterschiedlichsten Weisen wahrgenommenen Unterschieden lassen sich immer noch Kabarettprogramme, Ratgeberbücher, dumme Sprüche und Klischees, Manifeste und mehr oder weniger gute Romane und Filme machen und alle diese finden auch immer noch ihr Publikum. Heißt das nun, daß diese Unterschiede wirklich so groß oder bedeutend sind, oder daß nur mittlerweile die meisten glauben, es wäre so und in der karikaturhaften Darstellung und komödiantischen Verwurstung derselben eine Bestätigung und Anregung sehen, diese Unterschiede geradezu zu suchen, mit ihnen zu kokettieren und sie vielleicht sogar stärker an sich selber zu betonen, als sie es sonst tun würden? Ich weiß es nicht, bin aber gespannt, zu erfahren, wie Du das eines Tages sehen wirst. Was ich weiß, ist, daß Frauen und Männer nicht gleich sind und ich finde, man sollte sie nicht gleich zu machen versuchen. Biologisch Sie sind nämlich und natürlich verschieden und gerade ihre Verschiedenheit ist oft Grundlage dafür, daß sie sich anziehen. Selbstverständlich sind Männer und Frauen aber gleich viel wert, waren es immer und hätten einander immer so behandeln sollen. Leider wurden Frauen die längste Zeit und werden auch heute noch an vielen Orten schlecht behandelt, unterdrückt, klein, dumm und fern von Bildung gehalten, als minderwertig, unzulänglich, unwichtig und unberechtigt angesehen und sogar verstümmelt - und zwar von Männern. Noch schlimmer und zynischer aber ist, daß das dazu geführt hat, daß viele Frauen diese Haltung zu ihrem eigenen Geschlecht übernommen haben, weil sie nie eine Alternative kennengelernt und vom kritischen Denken mutwillig abgehalten wurden und manche Frauen denken heute noch so. Das ist eine große Schande, eine schlimme, entwürdigende Entstellung im Antlitz der Menschheit und ich finde es unerträglich! Es besorgt mich ein wenig, daß ich Dich eines Tages in diese Welt werde ziehen lassen müssen; ich kann Dir nur versprechen, daß ich alles tun werde, um zu verhindern, daß Dir so etwas passiert. Ich werde Dich lehren, Dir niemals wegen Deines Geschlechts irgendetwas nicht zuzutrauen oder Demut zu empfinden oder eine Rolle zuweisen zu lassen, die Du nicht ausfüllen willst.
Oft habe ich mich gefragt, wie die Welt heute aussehen würde, wenn zu allen Zeiten die Frauen den gleichen Anteil, das gleiche Ansehen und die gleichen Möglichkeiten in Politik, Wissenschaft, Kunst, Literatur, Philosophie und, ja, der Gestaltung der Welt und dem Fortkommen der Menschheit gehabt hätten. Meistens macht mich allein der Versuch, mir diese Frage zu beantworten, so wehmütig, daß ich gleich wieder damit aufhöre. Ich bin kein Freund allzu märchenhafter Eutopien, aber ich glaube fest, die Menschheit wäre viel weiter und diese Welt wäre ein besserer, gerechterer und schönerer Ort - für alle.

Leider kann ich Dir nicht erklären, warum es den Frauen so lange so schlecht gehen mußte. Ich verstehe es wirklich nicht. Wie hat Mann das rechtfertigt? Kann es wirklich sein, daß allein die höhere Körperkraft der Männer als Argument pro toto herangezogen wurde, die Frauen als "schwach" und zwar in jeder Hinsicht zu brandmarken? Wieso hatte es damit nicht ein Ende, sobald Gesellschaften entstanden waren, die sich selbst Gesetze gaben, die dafür sorgten, daß Körperkraft allein zur Durchsetzung des Willens nicht mehr geduldet wurde, die also das Recht des Stärkeren abschafften? Vielleicht kannst Du es mir eines Tages erklären, falls Du Soziologin oder Historikerin wirst. Oder Psychologin - denn es könnte doch auch sein, daß der Grund mit einem tief empfundenen Mißtrauen oder auch Neid auf die Fähigkeit der Frauen, Kinder zu gebären, zu tun hat und der Mann die Notwendigkeit empfunden hat, diese sicher lange als mystisch empfundene "Gabe", die er selbst nie erlangen kann, zu kontrollieren, indem er die Frau kontrolliert, was bedeutet: unterwirft.
Was immer der Grund war oder ist, er war nie und ist heute erst recht nicht zu akzeptieren und nichts anderes wirst Du von mir erfahren.
Die Religion hat übrigens auch keine gute Rolle für Euch Frauen gespielt. Das ist ein wichtiger von allerdings zahlreichen Gründen, warum Du ohne Religion aufwachsen wirst. Alle großen Weltreligionen verachten und unterdrücken die Frauen, die Hälfte aller Menschen. Sie schreiben ihnen die schlimmsten Eigenschaften zu, versächlichen sie und ordnen sie dem Manne unter. Sie gehen davon aus, daß dies im Sinne ihrer jeweiligen Gottheiten sei und belegen es mit ihren jeweiligen, von Männern also Menschen verfassten Schriften. Ich halte Dich davon fern, Du wirst vor keinem niederträchtigen Götzen das Knie beugen und Dich gleichsam immer wieder und ohne Hoffnung auf Vergebung für Dein Geschlecht entschuldigen oder schämen. Wenn Du Dich aber doch eines Tages, wenn Du erwachsen sein wirst, entscheidest, einer Religion anzugehören, wirst Du dies aus freien Stücken tun können und vielleicht obwohl Du weißt und verstehst, wie diese Religion die Frauen betrachtet und behandelt.
Was mir Mut macht und Dir hoffentlich auch, ist, daß Du es weniger schwer haben wirst, als andere Frauen vor Dir, daß Du davon profitieren kannst, daß es unermüdlichen Frauen gelungen ist, all die selbstverständlichen Dinge und Rechte für Euch zu erstreiten. Dahinter wird es, solange es freiheitliche und säkulare (!) Demokratien gibt, auch glücklicherweise kein Zurück mehr geben. Es wird ohnehin immer schwerer, auf Frauen und ihre Leistungsfähigkeit in allen Bereichen zu verzichten und Du wirst Dir, so hoffe ich, aussuchen können, welchen Beruf Du ausüben wirst. Dennoch wirst Du in den Köpfen und im Verhalten der Menschen (meist Männer, manchesmal auch Frauen) bisweilen auf Reste der alten Vorstellungen treffen. Wenn das passiert und man Dir dadurch etwas verbauen, vorenthalten oder vorschreiben will, so wehre Dich! Es ist Dein Recht gegenüber den Männern und Deine Pflicht gegenüber den Frauen.
Ach ja, ich wollte Dir ja noch erzählen, was ich über Frauen weiß. Ich will ehrlich sein, mich an Sokrates halten und sagen: ich weiß, daß ich nichts weiß. Nichts, was irgendjemand über Frauen zu wissen behauptet, gilt für alle Frauen. Klischees gibt es in rauhen Mengen und sie sind fast alle blöd und langweilig. Selbst, wenn ich sage, daß ich Frauen toll finde, ist das irgendwie nicht richtig. Ich finde nicht alle Frauen toll und ich sollte auch niemanden nur deshalb mögen, weil sie eine Frau ist. Allerdings glaube ich auch nicht, etwas über jemanden zu wissen, weil sie eine Frau ist. Ich gehe aber dennoch davon aus, daß Frauen Respekt schätzen und zwar, weil Menschen Respekt schätzen. Mann kann also wohl nichts falsch damit machen, erst einmal Respekt für eine Frau aufzubringen - das gilt übrigens auch für Frauen selbst, wenn sie anderen Frauen begegnen, denk' daran! Wenn man das aber tut, verbietet sich im gleichen Zuge natürlich ein Verhalten, das auf den alten Klischees beruht, selbst dann, wenn man herausfindet, daß die Frau, der man gegenübersteht, noch daran glaubt.
Wir fragen mal zusammen Deine Mutter, wie sie sich als Frau fühlt, aber letztlich mußt Du ganz allein herausfinden, was es bedeutet, eine Frau zu sein, ob es überhaupt etwas bedeutet und ob es für Dich etwas besonderes ist. Ich wünsche mir nur, daß es niemals eine Last für Dich sein wird, eine Frau zu sein (immerhin hast Du Dein Geschlecht von mir), und ich würde mich freuen, wenn Du Dir niemals wünschen wirst, ein Mann zu sein, aber auch nie gezwungen sein wirst, Männer zu hassen. Einige sind es wert, Geduld mit ihnen zu haben...

Laß' Dich niemals entmutigen, von niemandem.

In Liebe,
Dein Vater